IT-Praxis · Bildung · Forschung

Wann wird aus Verstehen verlässliches Handeln⁠?

Fast jeder kennt Situationen, in denen etwas verständlich erscheint — bis es selbst angewendet werden muss. Genau dieser Moment interessiert mich.

Ich arbeite an der Schnittstelle von IT-Praxis, beruflicher Bildung und angewandter Forschung. Mich interessiert, was zwischen dem Gefühl des Verstehens und sicherem Handeln liegt.

Sven Steinhardt, M.Sc., MBA
Sven Steinhardt, M.Sc., MBA

Praxis stellt die Fragen. Forschung sucht nach Antworten.

Diese Website dokumentiert einen Forschungsweg — nicht dessen Abschluss

Die Frage

Meine Forschung war nicht geplant.

Eigentlich brauchte ich nur ein Thema für meine Bachelorarbeit. Über das Tauchen kam ich zum Lernen und bei der Literaturrecherche zur Technologieakzeptanz. UTAUT2 habe ich gewählt, weil es gut erforscht, häufig eingesetzt und für mich eine vernünftige Grundlage war. Die Entscheidung war pragmatisch.

Der Wendepunkt kam später. In einer explorativen statistischen Auswertung zeigte sich ein Hinweis darauf, dass wahrgenommenes Verstehen und Anwendungsbereitschaft möglicherweise nicht vollständig zusammenfallen. Das war kein Beweis und keine geplante Entdeckung. Es war ein Befund, den ich mir nicht erklären konnte.

Was passiert zwischen Verstehen und tatsächlichem Handeln?

Wie diese Frage entstand

Wie ich forsche

Ich beginne nicht mit einem Modell. Ich beginne mit einer Beobachtung.

Modelle sind für mich Werkzeuge, keine Wahrheiten. Die Methode folgt der Frage — nicht umgekehrt.

Beobachtung

Meistens fällt mir in der Praxis etwas auf, das ich nicht schlüssig erklären kann — in Projekten, in der Lehre, in Gesprächen.

Frage

Wenn mich eine Beobachtung länger beschäftigt, beginne ich, sie als Frage zu formulieren. Nicht jede Beobachtung wird zu einer Studie.

Literatur & Modell

Ich prüfe bestehende Ansätze und suche das Werkzeug, das zur Frage passt — nicht das Modell, das gerade verfügbar ist.

Methode

Ich entscheide nicht zuerst, ob eine Studie qualitativ oder quantitativ wird. Entscheidend ist, welche Art von Erkenntnis die Frage überhaupt zulässt.

Empirische Untersuchung

Unsicherheit und Nichtwissen werden offen benannt. Es wird nie mehr behauptet, als belegt oder ehrlich vertreten werden kann.

Neue Erkenntnis — neue Frage

Nicht jede Studie liefert eine klare Antwort. Manchmal besteht ihr wichtigstes Ergebnis darin, die nächste Frage genauer formulieren zu können.

Der Befund

Ein Hinweis, den ich mir nicht erklären konnte.

Menschen können überzeugt sein, etwas verstanden zu haben — und sich in der Anwendung trotzdem unsicher fühlen. Akzeptanz und wahrgenommener Nutzen eines Lernangebots sagen vermutlich noch nicht genug darüber aus, ob Wissen unter realen Bedingungen trägt.

Wissenschaftliche Einordnung

Der Befund ist explorativ. Er ist kein Beweis — und genau deshalb der Ausgangspunkt.

  • nicht hypothesengeleitet entstanden, sondern in einer explorativen Auswertung
  • bis heute nicht abschließend erklärt
  • zunächst qualitativ verstehen, dann Konstrukte operationalisieren, erst danach gezielt quantitativ prüfen

Was als vorsichtige Arbeitshypothese gilt

  • Verstehen und Anwendungssicherheit fallen möglicherweise nicht zusammen.
  • Unsicherheit, Zeitdruck, Verantwortung und Erfahrung könnten den Übergang vom Verstehen zum Handeln beeinflussen.
  • Technische Kompetenz zeigt sich nicht nur im Wissen, sondern darin, Situationen einzuordnen und Entscheidungen zu begründen.

Was noch nicht geklärt ist

  • Ob sich die beobachtete Lücke in unterschiedlichen Gruppen und Kontexten zuverlässig nachweisen lässt.
  • Ob es sich um ein zusammenhängendes Phänomen oder mehrere unterschiedliche Ursachen handelt.
  • Wie sich verlässliches Handeln valide messen lässt, ohne es auf reine Selbsteinschätzung zu reduzieren.
I

Gibt es eine belastbare Lücke zwischen wahrgenommenem Verstehen und beruflicher Anwendungsbereitschaft?

II

Was verändert sich, wenn Unsicherheit, Zeitdruck und Verantwortung hinzukommen?

Cybersecurity ist dafür ein besonders anspruchsvoller Kontext: Entscheidungen unter Unsicherheit, Zeitdruck, Verantwortung und hoher Komplexität.

III

Wie müssen digitale Lernangebote gestaltet sein, damit Wissen in der Praxis trägt?

Nächster methodischer Schritt: qualitative Interviews mit Perspektiven aus beruflicher Bildung, Hochschullehre und IT-Praxis — danach Konstruktentwicklung und gezielte quantitative Prüfung.

Praxis & Lehre

Drei Perspektiven, eine Frage.

Praxis ist für mich kein Anwendungsfeld. Sie ist der Ort, an dem meine Forschungsfragen entstehen — in technischen Projekten, in Lehrveranstaltungen, in Situationen unter Zeitdruck und Verantwortung.

IT-Praxis

Wenn Wissen tragen muss

In komplexen IT-Umgebungen zeigt sich schnell, ob Wissen auch dann trägt, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen und Risiken abgewogen werden müssen.

Bildung & Lehre

Verstehen ist nicht das Ziel

Mich interessiert nicht nur, ob Inhalte verstanden wurden. Entscheidend ist, ob Menschen Zusammenhänge einordnen und auch ohne Musterlösung weiterarbeiten können.

Forschung

Der Übergang dazwischen

Ich untersuche, wie Lernen, Unsicherheit, Erfahrung und Verantwortung den Übergang vom Verstehen zum Handeln beeinflussen.

Unterwegs zwischen Projekten, Lehre und Forschung
Unterwegs zwischen Projekten, Lehre und Forschung — dort entstehen die Fragen

Publikationen

Zwei Arbeiten sind öffentlich. Der Rest ist unterwegs.

Wirtschaftsinformatik & Management2026

Warum Virtual Labs pädagogische Akzeptanz brauchen!

Warum technische Lernumgebungen nur dann wirksam werden, wenn sie didaktisch sinnvoll eingebettet und von den Lernenden angenommen werden.

Sven Steinhardt und Lars Ritter

doi.org/10.1365/s35764-026-00608-2
IU Discussion Papers Business & Management2026

Zwischen Kompetenzgefühl und Handlungssicherheit

Ein explorativer Beitrag zur möglichen Lücke zwischen wahrgenommenem Verstehen und beruflicher Anwendungsbereitschaft.

Sven Steinhardt und Marcel Dulgeridis

doi.org/10.56250/4141

Weitere Arbeiten werden erst nach Veröffentlichung ergänzt. Manuskripte in Entwicklung oder im Begutachtungsprozess erscheinen hier bewusst nicht als Publikationen.

Begriffe

Alle Publikationen

Abseits des Schreibtischs

Unter Wasser zeigt sich, was trägt.

Technisches Tauchen verlangt Vorbereitung, Redundanz und Entscheidungen unter Zeitdruck, bei unvollständiger Information und mit Konsequenzen. Verfahren zu kennen reicht dort nicht. Sie müssen unter Belastung funktionieren.

Mit DiveWithSteini betreibe ich eine eigene Tauchschule. Sie steht hier bewusst nicht im Mittelpunkt. Aber die Frage ist dieselbe wie in meiner Forschung.

Sven Steinhardt

Kontakt

Austausch beginnt oft mit einer guten Frage.

Ich freue mich über den Austausch mit Menschen aus Wissenschaft, Lehre und IT-Praxis. Vielleicht sehen Sie eine meiner Fragen anders — genau darüber lohnt sich das Gespräch.

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