IT-Praxis
Wenn Wissen tragen muss
In komplexen IT-Umgebungen zeigt sich schnell, ob Wissen auch dann trägt, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen und Risiken abgewogen werden müssen.
IT-Praxis · Bildung · Forschung
Fast jeder kennt Situationen, in denen etwas verständlich erscheint — bis es selbst angewendet werden muss. Genau dieser Moment interessiert mich.
Ich arbeite an der Schnittstelle von IT-Praxis, beruflicher Bildung und angewandter Forschung. Mich interessiert, was zwischen dem Gefühl des Verstehens und sicherem Handeln liegt.

Praxis stellt die Fragen. Forschung sucht nach Antworten.
Diese Website dokumentiert einen Forschungsweg — nicht dessen Abschluss
Die Frage
Eigentlich brauchte ich nur ein Thema für meine Bachelorarbeit. Über das Tauchen kam ich zum Lernen und bei der Literaturrecherche zur Technologieakzeptanz. UTAUT2 habe ich gewählt, weil es gut erforscht, häufig eingesetzt und für mich eine vernünftige Grundlage war. Die Entscheidung war pragmatisch.
Der Wendepunkt kam später. In einer explorativen statistischen Auswertung zeigte sich ein Hinweis darauf, dass wahrgenommenes Verstehen und Anwendungsbereitschaft möglicherweise nicht vollständig zusammenfallen. Das war kein Beweis und keine geplante Entdeckung. Es war ein Befund, den ich mir nicht erklären konnte.
Wie ich forsche
Modelle sind für mich Werkzeuge, keine Wahrheiten. Die Methode folgt der Frage — nicht umgekehrt.
Meistens fällt mir in der Praxis etwas auf, das ich nicht schlüssig erklären kann — in Projekten, in der Lehre, in Gesprächen.
Wenn mich eine Beobachtung länger beschäftigt, beginne ich, sie als Frage zu formulieren. Nicht jede Beobachtung wird zu einer Studie.
Ich prüfe bestehende Ansätze und suche das Werkzeug, das zur Frage passt — nicht das Modell, das gerade verfügbar ist.
Ich entscheide nicht zuerst, ob eine Studie qualitativ oder quantitativ wird. Entscheidend ist, welche Art von Erkenntnis die Frage überhaupt zulässt.
Unsicherheit und Nichtwissen werden offen benannt. Es wird nie mehr behauptet, als belegt oder ehrlich vertreten werden kann.
Nicht jede Studie liefert eine klare Antwort. Manchmal besteht ihr wichtigstes Ergebnis darin, die nächste Frage genauer formulieren zu können.
Der Befund
Menschen können überzeugt sein, etwas verstanden zu haben — und sich in der Anwendung trotzdem unsicher fühlen. Akzeptanz und wahrgenommener Nutzen eines Lernangebots sagen vermutlich noch nicht genug darüber aus, ob Wissen unter realen Bedingungen trägt.
Der Befund ist explorativ. Er ist kein Beweis — und genau deshalb der Ausgangspunkt.
Cybersecurity ist dafür ein besonders anspruchsvoller Kontext: Entscheidungen unter Unsicherheit, Zeitdruck, Verantwortung und hoher Komplexität.
Nächster methodischer Schritt: qualitative Interviews mit Perspektiven aus beruflicher Bildung, Hochschullehre und IT-Praxis — danach Konstruktentwicklung und gezielte quantitative Prüfung.
Praxis & Lehre
Praxis ist für mich kein Anwendungsfeld. Sie ist der Ort, an dem meine Forschungsfragen entstehen — in technischen Projekten, in Lehrveranstaltungen, in Situationen unter Zeitdruck und Verantwortung.
IT-Praxis
In komplexen IT-Umgebungen zeigt sich schnell, ob Wissen auch dann trägt, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen und Risiken abgewogen werden müssen.
Bildung & Lehre
Mich interessiert nicht nur, ob Inhalte verstanden wurden. Entscheidend ist, ob Menschen Zusammenhänge einordnen und auch ohne Musterlösung weiterarbeiten können.
Forschung
Ich untersuche, wie Lernen, Unsicherheit, Erfahrung und Verantwortung den Übergang vom Verstehen zum Handeln beeinflussen.

Publikationen
Warum technische Lernumgebungen nur dann wirksam werden, wenn sie didaktisch sinnvoll eingebettet und von den Lernenden angenommen werden.
Sven Steinhardt und Lars Ritter
doi.org/10.1365/s35764-026-00608-2 →Ein explorativer Beitrag zur möglichen Lücke zwischen wahrgenommenem Verstehen und beruflicher Anwendungsbereitschaft.
Sven Steinhardt und Marcel Dulgeridis
doi.org/10.56250/4141 →Weitere Arbeiten werden erst nach Veröffentlichung ergänzt. Manuskripte in Entwicklung oder im Begutachtungsprozess erscheinen hier bewusst nicht als Publikationen.
Abseits des Schreibtischs
Technisches Tauchen verlangt Vorbereitung, Redundanz und Entscheidungen unter Zeitdruck, bei unvollständiger Information und mit Konsequenzen. Verfahren zu kennen reicht dort nicht. Sie müssen unter Belastung funktionieren.
Mit DiveWithSteini betreibe ich eine eigene Tauchschule. Sie steht hier bewusst nicht im Mittelpunkt. Aber die Frage ist dieselbe wie in meiner Forschung.

Kontakt
Ich freue mich über den Austausch mit Menschen aus Wissenschaft, Lehre und IT-Praxis. Vielleicht sehen Sie eine meiner Fragen anders — genau darüber lohnt sich das Gespräch.